Tunnelgail

Das B10-Tunnel

Jeder Autofahrer kennt es zur Genüge: Die Einfallsschneiße nach Stuttgart ist quasi täglich verstopft. Deshalb, so die einfacher gestrickten unter uns, brauchen wir breitere Straßen bzw. mehr Fahrspuren. So war gewissen Leuten schnell klar, dass die B10 dringend ausgebaut werden müsse, damit ein Jeder mit seinem « Heiligen Blechle » ins Städtle -pardon: in die City- fahren kann.

Der Ausbau der B10 wurde zunächst 2006 mit dem Pragsatteltunnel begonnen und brachte eine weitere Spur auf der Heilbronnerstraße in Richtung Innenstadt.

Ein Jahr zuvor, also 2005, beschlossen die Herren des Stuttgarter Gemeinderats, dass die B10 zwischen den Straßenbahnhaltestellen Rosensteinpark und Wilhelma unter dem Rosensteinpark verschwinden soll.

2008 wurden die Pläne fürs Rosensteintunnel vorgelegt, 2010 öffentlich ausgelegt.

Als sich 2011 Bedenken wegen der ohnehin skandalös verunreinigten « Luft » in Stuttgart mehrten, ruderte die Stadtverwaltung zurück und gestand ein, dass der Schwerlastverkehr in der super-seriösen Prognose falsch eingeschätzt wurde1. Der LKW-Verkehr in der Prognose, die von der Stadt Stuttgart, der IHK Stuttgart und dem Regionalverband in Auftrag gegeben wurde, ist viel zu hoch ausgefallen.

Die Legitimation des 200 Millionen Euro Projekts basiert also (wie so oft in Stuttgart) auf falschen Zahlen, die eine Notwendigkeit unnützer Bauten vortäuschen sollen.

Der sogenannte Baubürgermeister Hahn, dessen Posten meiner Meinung nach dringend sehr zeitnah neu besetzt werden sollte, verkündete im folgenden Januar 2011 überraschend die Neuauslegung der Pläne. Man sei damals vom « worst-case » ausgegangen und eigentlich sei es ja gut, da die Luft dann weniger belastet würde, wurde argumentiert.

Dass aber die vorgeschobene Notwendigkeit des Baus (erheblich mehr LKW-Verkehr) damit entfallen ist, wollte keiner der Zuständigen hören.

Es fahren nun also angeblich weniger LKW als in der seriösen Prognose vorgerechnet und die Schadstoffwerte in Zuffenhausen wurden bei der Abstimmung überhaupt nicht beachtet2.

Da der Tunnel das allgemeine Verkehrsaufkommen etwa verdreifacht3, spielt das Argument der Luftbelastung aber nach wie vor eine große Rolle!

Konsequenzen aus dem pseudo-notwendigen Projekt

Für Nutzer des öffentlichen Verkehrs:

Der Bau des Tunnels hat natürlich Konsequenzen für alle Nutzer der Straßenbahn: Das Tunnelportal Süd liegt direkt unter der heutigen Haltestelle « Wilhelma » auf Höhe des Elefantenstegs. Deshalb muss die SSB diese dauerhaft verlegen und zwar direkt vor das denkmalgeschützte Wilhelmaportal. Das Tunnelportal Nord stört die bestehende Haltestelle « Rosensteinpark ». Sie muss deshalb Richtung Rosensteinbrücke versetzt werden.

Während der Bauzeit (ab Frühjahr 2013) dürfen sich alle Straßenbahnfahrer bereits auf Chaos jenseits von Stuttgart21 freuen, denn sowohl im Bereich des Leuze als auch rund um die Wilhelma wird die U14 über lange Zeiträume nur eingleisig verkehren können. « Übereckverbindung von der König-Karl-Brücke in Richtung Wilhelma wird mehrmals über mehrere Monate hinweg gar nicht befahrbar sein. Ein- und Ausrücker müssen in dieser Zeit an den Mineralbädern kehren »4,

Für die Anwohner:

Lärm während der Bauzeiten, auch an Sonntagen und Nachts.

Sollte das Bahnprojekt Stuttgart21 wider jeder Vernunft umgesetzt werden, erwarten die Anwohner in diesem Bereich außerdem nächtliche Sprengarbeiten und ca. 2400 LKW täglich5

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c Josh Eikhoff

Für Besucher des Rosensteinparks:

Der B10-Tunnel ist eine riesige Bedrohung für den denkmalgeschützten Rosensteingarten, einen der letzten englischen Landschaftsgärten in Süddeutschland. Ein Kleinod, das zahlreichen Tieren einen Lebensraum bietet.

http://rosenstein.infooffensive.de/index.php?page=Tiere

Stuttgarter lieben und nutzen ihn gerne, Paare verewigen ihre Namen in Parkbänken und Baumrinden bei romantischen Spaziergängen, Familien, Radfahrer, Spaziergänger und Jogger fühlen sich hier wohl. Und er ist ein Anziehungspunkt für Touristen!

Mit den geplanten B10-Maßnahmen verliert Stuttgart einen weiteren Park, der die Lebensqualität und Schönheit dieser Stadt ausmacht! Nicht allein die Fällarbeiten bedrohen den teilweise sehr alten Baumbestand.

Der Rosensteinpark wurde auf einem Fels errichtet, dem Kahlenstein. Um an das Grundwasser heran zu kommen, haben die Bäume dort außergewöhnlich tiefe Wurzeln. Welche Konsequenzen der Tunnelbau für die Bäume haben wird, liegt auf der Hand.

rosensteinpark 2008 c Martina Schlerka

c Martina Sclerka

Auch hier diente ein falsches Gutachten dem Durchwinken von Entscheidungen

http://www.lnv-bw.de/ib2011-12/20111031-Wurzelerkundung.pdf

Was den Bau des Tunnels angeht, hat die Stadt Stuttgart hier eine Menge Pläne zusammengestellt http://www.stuttgart.de/rosensteintunnel#headline50f1969cd6394

Ich persönlich kann einen großen Teil davon nicht mehr öffnen. Daher stelle ich den Konfliktplan und den Landschaftspflegerischen Begleitplan in den folgenden Links nochmals zum Download zur Verfügung:

Konfliktplan

http://ge.tt/7V3keGV/v/0

Landschaftspflegerischer Begleitplan/ Maßnahmenplan

>http://ge.tt/2D0DzDV/v/0

Diese Karte von Bruno Baumann gibt eine gute Übersicht zur Lage und Tiefe des Tunnels

http://ge.tt/3gRzfGV/v/0

Wir brauchen keine zusammengelogene Stadtautobahn für Stuttgart, die den Verkehr zusätzlich erhöht und damit die eh schon feinstaubgeplagte Stadt noch mehr belastet. Statt dessen brauchen wir neue Ideen, wie diese Problematik in den Griff zu kriegen ist. Ganz sicher ist das Fällen und dauerhafte Bedrohen von Bäumen diesem Ziel nicht dienlich!

Ich wünsche mir, dass der Rosensteinpark eine grüne Oase für Tiere und Menschen bleibt

1vgl.: http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2827129_0_5820_-rosensteintunnel-bebauungsplan-erneut-ausgelegt.html

2vgl.:http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2809448_0_2147_-kommentar-im-dauerstreit.html

3vgl.: http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.rosensteintunnel-in-stuttgart-neuer-bebauungsplan-bis-zum-sommer.09b7cc0f-de90-48b9-bb9b-bfe57065e02b.html

4siehe: http://www.ssb-ag.de/U14-Haltestelle-Wilhelma-474-0.html

5vgl.: http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2701208_0_9223_-rosensteinviertel-die-furcht-vor-staub-und-laerm.html

Das Layout dieses Blogs bitte ich zu entschuldigen (WP macht gerade was es will..)

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