Das Innenministerium, ein reingeklotzter Riegel

Einige von Euch erinnern sich sicherlich noch an die denkmalgeschützten Bürgerhäuser entlang der Willy-Brandt-Straße (damals noch Neckarstraße).

Als erste Adresse waren sie einstmals die Prunkhäuser der Stadt Stuttgart.

1988 trat die Stadt die Grundstücke entlang der Willy-Brandt-Straße an das Land ab und bekam im Gegenzug dafür die Landesfrauenklinik.

Bereits in den 90ern wurden bis auf 4 alle Häuser abgerissen. Man darf an dieser Stelle treffender Weise von « pseudo-Denkmalschutz » reden.

Die 4 noch erhaltenen Häuser wurden aus Protest gegen das Vorgehen des Landes und aus Sorge um die Stadt im Falle des Projektbeginns von Stuttgart21 teilweise besetzt.

Banner an den Fenstern, machten bereits damals auf den stadtzerstörerischen Charakter von Stuttgart21 aufmerksam.

Allerdings wäre es Stuttgart-untypisch, wenn der Denkmalschutz mehr wäre als ein notwendiges Übel ohne Macht. Und wir wären auch nicht Stuttgart, wenn protestierende Bürger ernst genommen würden.

2004, selbstverständlich bei Nacht und Nebel, rollten dann die Abrissbagger an und die vom Land gewollte Zerstörung nahm in diesem Teil der Stadt ihren Anfang bzw. setzte sich fort.

Es fielen außerdem ca. 40 riesengroße streng geschützte Ulmen – das Ende der Ulmenallee.

ulmenallee neckarstr willybrandt baustelle

Foto: Klaus Rau

Ein letzter Blick entlang einer der ehemals schönsten Ecken der einstmals grünsten Stadt Deutschlands.

ulmenallee

Ein Blick auf die Ulmenalle hinter dem Lustschloss von der damals noch intakten Parkseite aus.

schlossgarten lustschloss 1

Das ernüchternde Ergebnis dessen wofür ein Teil Stadtgeschichte fallen musste, lässt sich am besten zusammenfassen mit: Stuttgart schafft sich ab.

Ministeriumsneubau-Stuttgar

Foto: Klaus Rau

Bei solch  einem Klotz reißt auch die im Mosaik-Style beklebte, in beige gehaltende Fassade nichts mehr raus.

Die geschätzt 10 Ulmen, die hinter dem Gebäude noch stehen, sind übrigens auch nur Show. Für den Bau der Tiefgarage des Innenministeriums mussten unzählige Wurzeln gekappt werden. Auch die Baumkronen wurden zurechtgestutzt und verstümmelt, damit der Bauklotz reinpasst. Aber auch das für Natur und Umwelt zuständige Amt scheint in Stuttgart entmachtet oder desinteressiert.

lärmschutzwand

ministerium riegel

Foto: Klaus Rau

Der Umzug in den neuen Riegel steht jetzt kurz bevor. Die Abrissbagger für das alte Innenministerium stehen vermutlich schon bereit – auf dass schon bald ein weiterer Einkaufstempel in Stuttgart aus dem Boden sprießt: Das Dorotheen.

Mir bleibt jetzt nur, den dort einquartierten Beamten des Innenministeriums ein erfolgreiches Arbeiten direkt an der größten Baustelle Europas für die nächsten Minimum 15 Jahre auf der einen Seite und einer der Feinstaub-belastetsten Kreuzungen Stuttgarts auf der anderen Gebäudeseite zu wünschen.

Sicherlich hat man an Sie gedacht und Schallschutzfenster eingebaut. Lüften muss man die Büros dank der Klimaanlage bestimmt auch nicht.

Von daher, frohes Schaffen.

 

weiterführende Links

Ministeriumsneubau an der Willy-Brandt-Straße übergeben

http://www.gablenberger-klaus.de/2013/04/17/ministeriumsneubau-an-der-willy-brandt-strase-ubergeben/

Der Neubau des Innenministeriums und die Ulmen

http://schaeferweltweit.wordpress.com/2012/09/03/der-neubau-des-innenministerium-und-die-ulmen/

Dass dieser Klotz die Luft am Neckartor nicht verbessert

http://www.gablenberger-klaus.de/2011/11/11/dass-dieser-klotz-die-luft-am-neckartor-nicht-verbessert/

Baustelle des Ministeriumsneubaus an der Willy-Brandt-Straße

http://www.gablenberger-klaus.de/2009/09/21/baustelle-des-ministeriums-neubaus-an-der-willy-brandt-strasse/

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