Plan B: kein Plan

salvador-dali-zerrinnende-uhrAuf allen Kanälen kursiert die völlig „überraschende“ Erkenntnis, dass die Bahn intern schon lange mit einer Bauzeitverlängerung bis ins Jahr 2022 (+ x) rechnet. Sicher ist auch die 2024, die seit geraumer Zeit im Bundesverkehrsministerium rumgeistert, bahngünstig zurechtgebogen.

Gott sei Dank aber ist dies eine spezielle Bauzeitverlängerung, die eigentlich überhaupt nicht existiert. Denn wäre sie existent, hätte sie Konsequenzen für das Grundwasserab- und reingepumpe und könnte das durchgeprügelte Projekt doch noch gefährden.

Erst vor wenigen Tagen, bei der geplatzten Erörterung zum GWM, lesen wir Herrn Enge auf die Frage nach einer Bauzeitverlängerung und der damit verbundenen erhöhten Grundwasserentnahme sagen:
„Also wir gehen schon davon aus, dass wir es in der Bauzeit schaffen. Theoretisch wäre es so: Eine längere Bauzeit würde eine längere Entnahme nach sich ziehen, aber davon würde ich jetzt nicht ausgehen“.

http://cams21.de/erorterungsverfahren-gwm-auswirkungen-einer-bauzeitverlangerung/

Kefer untermauert Herr Enges Aussage gestern in bahntypischer Manier, wohlwissend wofür er bezahlt wird, wie folgt:
„Es gibt keine Planung, nach der das Grundwassermanagement länger dauert“, sagte er. Deshalb müssten Planunterlagen auch nicht geändert werden.
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgart-21-intern-rechnet-die-bahn-schon-lang-mit-2022.2196344e-a8a1-4dbf-87c2-fb4d19d738fe.html

Ein Glück plant die Bahn ihr Projekt selbst, denn sonst gäbe es jetzt eine Planänderung. Aber solange sie keine Planung über eine Bauzeitverlängerung hat, ist es als gäbe es keine.

Man könnte sich darüber wundern, aber nach Kefers neuester Wahrscheinlichkeitsrechnung
http://www.zvw.de/inhalt.rundschlag-wie-wahrscheinlich-ist-wahrscheinlich.d08ee2b0-87f8-4f41-9b9c-554476f284ad.html
und anderen Fresszettelorgien, ist dies wohl vergebene Liebesmüh..

LGNPCK bleibt eben LGNPCK.

O B E N B L E I B E N

Das Innenministerium, ein reingeklotzter Riegel

Einige von Euch erinnern sich sicherlich noch an die denkmalgeschützten Bürgerhäuser entlang der Willy-Brandt-Straße (damals noch Neckarstraße).

Als erste Adresse waren sie einstmals die Prunkhäuser der Stadt Stuttgart.

1988 trat die Stadt die Grundstücke entlang der Willy-Brandt-Straße an das Land ab und bekam im Gegenzug dafür die Landesfrauenklinik.

Bereits in den 90ern wurden bis auf 4 alle Häuser abgerissen. Man darf an dieser Stelle treffender Weise von « pseudo-Denkmalschutz » reden.

Die 4 noch erhaltenen Häuser wurden aus Protest gegen das Vorgehen des Landes und aus Sorge um die Stadt im Falle des Projektbeginns von Stuttgart21 teilweise besetzt.

Banner an den Fenstern, machten bereits damals auf den stadtzerstörerischen Charakter von Stuttgart21 aufmerksam.

Allerdings wäre es Stuttgart-untypisch, wenn der Denkmalschutz mehr wäre als ein notwendiges Übel ohne Macht. Und wir wären auch nicht Stuttgart, wenn protestierende Bürger ernst genommen würden.

2004, selbstverständlich bei Nacht und Nebel, rollten dann die Abrissbagger an und die vom Land gewollte Zerstörung nahm in diesem Teil der Stadt ihren Anfang bzw. setzte sich fort.

Es fielen außerdem ca. 40 riesengroße streng geschützte Ulmen – das Ende der Ulmenallee.

ulmenallee neckarstr willybrandt baustelle

Foto: Klaus Rau

Ein letzter Blick entlang einer der ehemals schönsten Ecken der einstmals grünsten Stadt Deutschlands.

ulmenallee

Ein Blick auf die Ulmenalle hinter dem Lustschloss von der damals noch intakten Parkseite aus.

schlossgarten lustschloss 1

Das ernüchternde Ergebnis dessen wofür ein Teil Stadtgeschichte fallen musste, lässt sich am besten zusammenfassen mit: Stuttgart schafft sich ab.

Ministeriumsneubau-Stuttgar

Foto: Klaus Rau

Bei solch  einem Klotz reißt auch die im Mosaik-Style beklebte, in beige gehaltende Fassade nichts mehr raus.

Die geschätzt 10 Ulmen, die hinter dem Gebäude noch stehen, sind übrigens auch nur Show. Für den Bau der Tiefgarage des Innenministeriums mussten unzählige Wurzeln gekappt werden. Auch die Baumkronen wurden zurechtgestutzt und verstümmelt, damit der Bauklotz reinpasst. Aber auch das für Natur und Umwelt zuständige Amt scheint in Stuttgart entmachtet oder desinteressiert.

lärmschutzwand

ministerium riegel

Foto: Klaus Rau

Der Umzug in den neuen Riegel steht jetzt kurz bevor. Die Abrissbagger für das alte Innenministerium stehen vermutlich schon bereit – auf dass schon bald ein weiterer Einkaufstempel in Stuttgart aus dem Boden sprießt: Das Dorotheen.

Mir bleibt jetzt nur, den dort einquartierten Beamten des Innenministeriums ein erfolgreiches Arbeiten direkt an der größten Baustelle Europas für die nächsten Minimum 15 Jahre auf der einen Seite und einer der Feinstaub-belastetsten Kreuzungen Stuttgarts auf der anderen Gebäudeseite zu wünschen.

Sicherlich hat man an Sie gedacht und Schallschutzfenster eingebaut. Lüften muss man die Büros dank der Klimaanlage bestimmt auch nicht.

Von daher, frohes Schaffen.

 

weiterführende Links

Ministeriumsneubau an der Willy-Brandt-Straße übergeben

http://www.gablenberger-klaus.de/2013/04/17/ministeriumsneubau-an-der-willy-brandt-strase-ubergeben/

Der Neubau des Innenministeriums und die Ulmen

http://schaeferweltweit.wordpress.com/2012/09/03/der-neubau-des-innenministerium-und-die-ulmen/

Dass dieser Klotz die Luft am Neckartor nicht verbessert

http://www.gablenberger-klaus.de/2011/11/11/dass-dieser-klotz-die-luft-am-neckartor-nicht-verbessert/

Baustelle des Ministeriumsneubaus an der Willy-Brandt-Straße

http://www.gablenberger-klaus.de/2009/09/21/baustelle-des-ministeriums-neubaus-an-der-willy-brandt-strasse/

Demmentrich

Im stern erschien heute folgender Artikel:
Sprecher nennt Alternativsuche „Phantomdebatte“
http://www.stern.de/politik/deutschland/neuer-streit-um-stuttgart-21-sprecher-nennt-alternativsuche-phantomdebatte-1967599.html

Im folgenden möchte ich auf verschiedene Behauptungen des Artikels eingehen.
Nun bin ich zwar kein Bahnexperte, aber das ist Dietrich auch nicht. Dafür spielt er gut Golf und ich habe einen wachen Verstand.

Beginnen wir ganz am Anfang:
Das Titelbild.
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Wir sehen S21, wie es ganz zu Beginn den Leuten präsentiert wurde. Ein Appetitmacher sozusagen. Der Südflügel steht noch, ein weit überwölbtes Glasdach, das viel Licht in den Keller lässt und die Vermutung, dass die alt ehrenwürdigen Bäume im Schlossgarten stehen bleiben werden.
Statt dessen bekommen wir sowas hier, fernab von den früher propagierten Entwürfen:

ingenhoven real2

 

 

 

 

 

 

 

„Für eine andere Variante gibt es keine politischen Mehrheiten, keine Machbarkeitsstudie, keine Finanzierung – es gibt nichts“

Hier stürze ich mich direkt auf die politischen Mehrheiten. Nächstes Jahr ist Gemeinderatswahl, spätestens da ist die politische Mehrheit für S21 verloren!
Die Machbarkeitsstudie lass ich mal außen vor, wobei sie für die Sanierung des bestehenden Kopfbahnhofs keine Rolle spielt. Auch neue Planfeststellungsverfahren würden nicht nötig, maximal Raumordnungsverfahren.
Das ist natürlich für die Bahn doof, weil sie horrent hohe Planungskosten verbuchen darf. (Allein 2010 machte die DB 2 Mrd Euro Gewinn mit reinen Planungskosten)
Was ich goldig finde ist die Aussage, es gäbe keine Finanzierung für eine Alternative. Denn, auch Stuttgart21 ist aktuell ohne gültige Finanzierung!
Ganz nebenbei bemerkt drängt sich mir immer wieder die Frage auf, wo die Gelder hin verschwunden sind, die der Bahn jährlich für Sanierungsarbeiten zustehen. In den Kopfbahnhof wurde ca. 15 Jahre lang kein Pfennig bzw. Cent gesteckt. Was ist mit diesen Geldern geschehen? In wessen Sackerl sind die gelandet?

„Nach Berechnungen der Bahn wären das mindestens zwei Milliarden Euro, die sich vor allem aus der Rückabwicklung des an die Stadt Stuttgart verkauften Gleisfeldes errechnen“

Ich versteh beim besten Willen nicht, wie dieser Betrag zusammenkommt.
2011 rechnete uns die Bahn ihre sogenannten Ausstiegskosten vor. Hierunter fiel laut der S21-Macher auch der Rückkauf des Gleisvorfelds von der Stadt Stuttgart.
Der Einfachheit halber lasse ich Schusters Super-Deal aus der Rechnung raus, der die Bahn bis 2010 mit Zinserlass beschenkte und mit einem satten Gewinn von 212 Mio Euro für die Bahn und die Wirtschaftlichkeitsrechnung von S21 zu Buche schlug (Im Prinzip gehört dieses „Gschenkle“ aber auch auf die Rechnung).
Die Kosten für die Grundstücke beliefen sich auf 424 Mio.Euro. Die 5,5 Prozent Zinsen für den ohne Gegenleistung 2001 bezahlten Kaufpreis machen ca. 250 Mio. Euro aus. Ergibt ganz grob eine Summe von 700 Mio. Euro. Abzüglich der Grundstücke rund um den Nordbahnhof, die die Stadt behalten wird, sind wir bei etwa 600 Mio. Euro. Die fehlenden 1,4 Milliarden sind nicht nachvollziehbar!
Und da die Bahn, was die Ausstiegskosten betrifft, ebenfalls gerne von „worst-case“-Szenarien ausgeht, tu ich das an dieser Stelle auch: Was ist wenn die Gleise nicht rückgebaut werden dürfen weil die Privaten Bahnen diese noch weiter nutzen und der Rückbau bestehender Infrastruktur sowieso verboten ist? Was dann Herr Dietrich?
Desweiteren sind durch S21 diverse Grundstücke für die nächsten 25 Jahre blockiert, die bei einer Sanierung des Kopfbahnhofs ab sofort bebaut werden könnten.

„außerdem aus möglichen Schadensersatzforderungen der bereits mit Aufträgen betrauten Baufirmen“

Auch hier frage ich mich: Wer hat das zu verantworten? Die Bahn hat die Ausschreibungen trotz oder gerade wegen dem großen Widerstand in der Bevölkerung voran getrieben. Egal ob während der Schlichtung, kurz vor dem Volksentscheid – die Ausschreibungen mussten sein.
Das Kosten in die Höhe jagen und Faktenschaffen vollzieht die Bahn immernoch. Trotz der aktuellen Diskussion und Unklarheit, werden noch in diesem Monat 120 Bäume in Stuttgart gefällt. Das Vergabe-Volumen der verschiedenen Bauwerke ist seit Ewigkeiten bei über 50%, und wenn man sich hier auf der Folie 6 der Bahn schlau macht, sieht man, dass 40% des Budgetwerts noch ausstehen, allerdings erst ab 2014.

Vergabe

Was das Kündigen von Verträgen mit Baufirmen betrifft, ist die Bahn sicherlich kein großes Risiko eingegangen. Wälzt sie doch gerne sämtliche Risiken von sich ab. Aus Ingenieurskreisen hört man, dass nur wirklich aufgetretener Schaden geltend gemacht werden kann. Dieser schrumpft bis zur Bedeutngslosigkeit zusammen, wenn man den Firmen geeignete Ersatzaufträge gibt.

„Der Ausstieg ist ein hundertprozentiges Minusgeschäft“

..für die Bahn

„bei einem Weiterbau gibt es dagegen einen neuen Bahnhof mit mehr Leistung“

Dass dies erstunken und erlogen ist, wissen wir spätenstens seit die SMA den Stresstest durchgeführt hat und die Note gut seitens der Bahn ersatzlos gestrichen wurde, so dass der Bunkebahnhof mit der hingeschummelten Bewertung „optimal“ plötzlich eine gute Bewertung hat.

„In den Ausstiegskosten seien nicht einmal die 1,3 Milliarden Euro enthalten, die zur Sanierung des maroden Gleisvorfeldes benötigt werden“

Nun ja, die Frage wo das Geld für die Sanierung des Kopfbahnhofs hin ist, habe ich mir oben bereits gestellt.
Anton Hofreiter stellte 2010 fest, dass die Deutsche Bahn seit der „Privatisierung“ 1/4 Billion Euro aus dem Deutschen Schienennetz gezogen hat um Manager-Träume wahr zu machen. Die Bahn, ein Global Player, der die bundeseigene Infrastruktur auf Verschleiß fährt und verkommen lässt!
Wann endlich findet also eine Razzia bei der Bahn statt? Wann greift die Politik in diese Veruntreuung ein? Wann bitteschön wird das Zwitterdasein der Bahn (je nach Vorteil mal Privatunternehmen und dann doch wieder Bundeseigentum) beendet?

[für den Umbau des Kopfbahnhofs] „Dafür sind sicherlich acht Jahre Reparaturarbeiten zu veranschlagen – und das bei laufendem Betrieb im Hauptbahnhof.“

Diese Frage kann Dietrich nicht ernsthaft beschäftigen, oder doch?!!!
Wo sind die Ingenieure und Spezialisten, die alles beherrschen können?
Abgesehen davon ist es seit 2010 deutlicher als jemals zuvor zu sehen was der Kopfbahnhof leistet auch wenn diverse Gleise nicht befahrbar sind. Der aktuell untragbare Zustand im HBF Stuttgart, der einzig durch die übereilten und unprofessionellen Abrissmaßnahmen und den Pfusch im Gleisvorfeld zustande kam, wird mit S21 (mindestens) bis 2024 dauern! Zudem wird es auch kein angenehmes Reisen oder Berufspendeln sein, wenn erst einmal die Baustraße durch den Bonatzbau führt.

Also Herr Dietrich,
sollten Sie Rückfragen oder Lust auf eine Partie Golf haben, melden Sie sich!

P.S.: der stern hat das Titelbild des Artikels umgehend korrigiert
Es wäre wünschenswert Ingenhoven würde dies mit seiner Website auch tun und Aidlinger&Wolff würde die alten Entwürfe entsprechend kennzeichnen

Bahnplankacke: #s21 ein Zwischenstand

Viele der für Stuttgart21 relevanten Abschnitte stocken, vermutlich weil sie zu gut geplant wurden.

Fildertunnel: Planänderungsverfahren
GWM: Planfeststellungverfahren
Fundament des Trogs: unklar
Baugrund: unklar
Abstellbahnhof Untertürkheim: ohne Planfeststellung
Tunnel Richtung Feuerbach: Planänderungsverfahren
U-Bahn: Finanzierung SSB/DB unklar


via @parkschuetzer.de

In diesem Sinne.. Brezeln schmieren und weiterbauen, es gibt sicher noch etwas zu zerstören..